Stimmhygiene





Man kennt das ja: Es fängt mit einem harmlosen Kratzen an und nach spätestens zwei Tagen bekommt man keinen Ton mehr heraus. Dann ist, soweit es die lädierten Stimmbänder noch zulassen, das Gejammere groß und die bohrende Frage nach dem "Warum?" quält einen höchstens bis zum Zeitpunkt der erfolgreichen Rekonvaleszenz. Danach verfällt man in alte Muster und die nächste Heiserkeit lässt nicht lange auf sich warten.

Vieles, was wir im Alltag tun, kann unserer Stimme schaden. Aber auch Unterlassenes kann als Auslöser für Stimmprobleme gelten. Um sich besser vor Problemen schützen zu können, dient die nachfolgende Schwerpunktliste, sortiert von A-Z. Wie bei allen Ratgebern gilt aber auch hier: Suchen Sie bitte im Zweifelsfall einen geeigneten Arzt, einen Phoniater oder Logopäden auf.



Atmung

Eine gute Atmung kann das Austrocknen der Stimmbänder vorbeugen. Achten Sie darauf, dass Sie durch die Nase einatmen, da sie die notwendige Beschaffenheit hat, um die Luft zu reinigen und um sie zu befeuchten und anzuwärmen. Bei der Mundatmung (z.B. beim Schnarchen) trocknet der Rachen aus. Wenn Sie Ihre Stimme nutzen, sollten Sie gleichzeitig über das Zwerchfell atmen. Dies erleichtert die Lautgebung und Pausensetzung. Legen Sie sich die Hand auf die Magengrube und fühlen Sie die federnde Bewegung bei der Zwerchfellatmung. Haben Sie keine Scheu davor, dass sich dabei der Bauch etwas nach außen wölbt - dies ist kein Schönheitsmanko, sondern ein Zeichen, dass Sie clever genug sind, richtig zu atmen.



Einsingen

Haben Sie schon mal einen Sportler beobachtet, was er vor seiner eigentlichen sportlichen Betätigung macht? Er streckt und dehnt die Muskeln, die er kurze Zeit später für seine Höchstleistungen braucht. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran und wärmen Sie Ihre Stimme auf, bevor Sie sie benutzen. Das können Sie z.B. morgens schon vorm Spiegel beim Zähneputzen machen. Summen Sie ein Lied in Ihrer Tonlage, einmal auf mmm und einmal auf nnn. Schnauben Sie mindestens 30 Sekunden auf brrr wie eine Pferd. Lassen Sie dabei die Ober- und Unterlippen flattern, bis es kribbelt. Ihr Gesangslehrer hat bestimmt noch mehr Übungen für Sie. Eine gut aufgewärmte Stimme bringt bessere Leistungen als eine kalte Stimme und schützt Sie vor Überbeanspruchung.



Flüstern

Flüstern ist kein adäquater Ersatz für die Stimme, da es nicht einer natürlichen Beanspruchung entspricht. Beim Flüstern reibt die ausströmende Luft an den Stimmlippen und trocknet sie so aus. Auf diese Weise entsteht ein Geräusch, jedoch kein Ton. Entgegen der verbreiteten Meinung ist Flüstern nicht stimmschonend und sollte auf keinen Fall eingesetzt werden, wenn die Stimme nicht mehr will. Stattdessen sollten Sie mittels Gebärden oder dem geschriebenen Wort mit Ihrer Umwelt Kontakt aufnehmen. Ihr Umfeld wird dies sicher respektieren. Schonen Sie Ihre Stimme und trinken Sie zwei bis drei Liter Flüssigkeit am Tag. Welche Getränke geeignet sind, erfahren Sie unter dem Stichwort "Getränke".



Gähnen

Viele Menschen empfinden ein Gähnen in der Öffentlichkeit als unhöflich und versuchen verzweifelt, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihr Körper sich gerade einem Reflex beugen möchte. Es werden die komischsten Grimassen geschnitten, um das Gähnen zu kaschieren oder noch besser zu unterdrücken. Dabei ist gerade dieser Reflex für unseren Körper Entspannung pur. Die Lunge wird bis zur vollen Kapazität mit frischer Luft gefüllt, die Muskeln spannen sich im Körper und entspannen beim Ausatmen wieder. Und noch etwas sehr Wichtiges passiert dabei: der gesamte Kehlkopfapparat senkt sich ab, was zu einer entspannteren Stimme führt. Nutzen Sie diesen Reflex und führen Sie ihn vor dem Singen bewusst herbei, um die gesamte Kehlkopfmuskulatur zu entkrampfen.



Getränke

Jemand, der viel mit seiner Stimme arbeiten muss, sollte am Tag mindestens 2 besser 3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Jedoch ist nicht jedes Getränk und jede Temperatur hierzu geeignet. Gute Getränke sind Wasser, Salbei- oder Thymiantee. Sie sollten weder eiskalt, noch zu heiß sein. Das Wasser sollte nach Möglichkeit mit wenig oder keiner Kohlensäure versehen sein. Diese kann bei Menschen mit einer Refluxösophagitis dazu führen, dass die Magensäure bis zu den Stimmbändern vordringen kann, was Reizungen hervorruft und bei häufigem Vorkommen zu einer Reibeisenstimme führt. Milch ist ungeeignet, da sie die Stimmlippen verschleimt. Kaffee und Alkohol trocknen die Stimmlippen aus und sind daher tabu.



Inhalation

Gerade in kalten Monaten kann es der Stimme zuträglich sein, wenn man inhaliert. Es gilt zu bedenken, dass Wasserdampf und milde Salzlösungen sehr hilfreich sein können, ätherische Öle jedoch Stimmbandreizung noch verschlimmern können. Zwar können Eukalyptus- und Mentholöle zur Schleimlösung bei Katarrhen herangezogen werden, jedoch sind auch sie so scharf, dass der Nutzen zwar eine Schleimlösung beinhaltet, aber gleichzeitig die Stimmlippen angreift. Auf die Inhalation von Tabakrauch sollten Sie generell verzichten. Auch sollten Sie Räume meiden, in denen schon die Schwaden hängen. Diese Schwaden führen zu Reizungen, Austrocknung und schlimmstenfalls noch ernsteren Erkrankungen.



Lebensmittel

Wer seine Stimmbänder schonen möchte, sollte auf Süßigkeiten und scharf gewürzte Speisen verzichten. Einerseits greifen scharfe Lebensmittel beim Passieren der Stimmbänder diese natürlich an und trocknen sie aus, andererseits können Sie einen Reflux auslösen, der wiederum zu einem benetzen der Stimmlippen mit Magensäure führen kann. Das schmeckt nicht nur widerlich, sondern verursacht auch teilweise recht heftige Schmerzen. Eine erste Hilfe kann hier ein Teelöffel Natronsalz sein, das sie mit einem Glas Wasser langsam trinken. Süße Lebensmittel können die Stimmbänder sowohl verschleimen, als auch einen Reflux hervorrufen. "Schlechte" Lebensmittel sind z.B. Tomaten, Paprika, Peperoni, Jalapenos, Habaneras, Milch, Pudding, Gummibärchen etc.



Räuspern

Wenn es im Hals kratzt, möchte man sofort Linderung und meist geht dies mit einem Räuspern einher. Leider hat das Nachteile. Beim Räuspern werden die Stimmlippen aneinandergerieben. Dies entspricht in etwa einer halben Stunde Reden am Stück. Dabei wird die Schleimschicht abgerieben und dadurch sind die Stimmlippen nun ungeschützt und anfälliger für Infektionen. Unser Körper ist darauf bedacht, den Schleimverlust auszugleichen und regt die Schleimbildung an. Es stellt sich erneut ein Gefühl des Sich-räuspern-müssens ein. Aus diesem Grund sollte man entweder den überschüssigen Schleim abhusten oder herunterschlucken. Auch durch Summen kann man dies mühelos erreichen.



Trockene Luft

Die ideale Umgebung für die Stimme hat ein Raum mit einer Leuchtfeuchtigkeit von mindestens 50 % und etwa 18C bis 20C. Gerade in den Wintermonaten ist dies aber eher eine Seltenheit, da Heizungen die Luft austrocknen und viele Menschen bei 20C schon frieren. Als Hilfestellung kann hier das Lutschen von Pastillen empfohlen werden. Besonders wirkungsvoll sind Emser Salz, Thymian, Salbei, Primelwurzel oder Isländisch Moos. Gezuckerte Pastillen können jedoch zur Verschleimung der Stimmlippen beitragen. Natürlich kann auch ein Luftbefeuchter schon ausreichend sein, um eine verbesserte Situation zu schaffen. Auch durch das Trinken von geeigneten Flüssigkeiten kann gegen die trockene Luft angegangen werden.